Noch einmal die Geschichte von  Volker Kraft zur Landesliga-Schnellmeisteschaft :

"Und als Gschichtla noch ein Vorfall, den ich erlebte:
Im Kampf gegen die Heimmannschaft Kronach führte mein Gegner einen Zug aus, drückte die Uhr, um wenige Sekunden darauf den Kopf zu schütteln, "okay..." zu murmeln und mir die  Hand übers Brett zu reichen (während meine Uhr lief!). Die Stellung war so, dass man glauben konnte, er würde die  Dame verlieren, da er sonst matt wird. Dies ist ein Irrtum gewesen, aber ich schüttelte natürlich seine Hand und  notierte 1-0 aufs Formular. Da ich dabei etwas ungläubig kuckte, schaute mein Gegner nochmal aufs Brett, und sagte dann, er hätte gar nicht aufgegeben. Ich wies ihn darauf hin, dass er offensichtlich seine Aufgabe signalisierte, was  sonst? Doch er grummelte etwas von einem Remisangebot (wer soll das gegeben haben?). Dies alles geschah unter Zeugen. Der hinzugekommene Schiedsrichter (des Ausrichtervereins, glaube ich) entschied daraufhin, dass die Partie weitergehe, da er nichts von einer Aufgabe gehört hätte. Das Verhalten des Kronacher Spielrs könne man  ja auch anders deuten, wie, hat er nicht verraten. Dass man ein RemisANGEBOT (was eh nicht erlaubt war, da ich am Zug war) mit "okay" und dem Herrüberreichen der Hand ausführen kann, ist mir jedenfalls neu. Ich war  geschockt, doch nach einigen fruchtlosen Diskussionen (übrigens immer noch auf meine Bedenkzeit!!) musste ich die Partie weiterspielen. Sie endete remis."

Dazu der Kommentar von G. Birkmann, der mich am 9.10.03 erreichte:

Bei allen Unmut, den der Zwischenfall auslöste, frage ich mich, wie ich in einem Mannschaftskampf als "Schiedsrichter" entschieden hätte? Es fehlt der Satz: "Ich gebe auf!" oder die Notation Aufgabe / 1-0 / 0-1 auf dem Spielformular. Von diesem Standpunkt aus betrachtet, hat der Schiedsrichter richtig gehandelt. Allerdings würde ich die Äußerung "okay" und das Schütteln der Hand des Gegners als grobe Unsportlichkeiten werten. Dies berechtigt einen Schiedsrichter, den Punkt dem Gegner zuzusprechen. (Bei einem Vereinskollegen vielleicht aber nicht ganz so einfach...) Zumindest aber sollte der Schiedsrichter dann eine deutliche Zeitstrafe gegen seinen Vereinskollegen bzw. eine Zeitgutschrift für Volker aussprechen. (Interessant bei den neuen elektronischen Uhren...) Im übrigen hat jeder Spieler das Recht, die Uhr anzuhalten und den Schiedsrichter zu holen. Eine Diskussion auf Volkers Bedenkzeit war also nicht notwendig. Die Regelung "Uhr anhalten = Aufgabe" ist veraltet, das unbegründete Anhalten der Uhr zieht jedoch eine Zeitstrafe nach sich. Auch darf sein Gegner während er überlegt, remis anbieten, dies gilt jedoch als Unsportlichkeit und kann deswegen zu einer Strafe - z.B. Ermahnung - führen. Das Remisangebot ist aber gültig.
Interessant wäre einmal eine kleine Umfrage unter den Vereinsspielern, welche Konsequenzen das Beantragen eines Remis innerhalb der letzten 2 Minuten vor der letzten Zeitkontrolle nach sich zieht. Kleiner Hinweis: Ist in der Regionalliga anders als in der Oberliga geregelt.
Viele Grüße
Günther

Volker Kraft befragte auch den internationalen Schiedsrichter Geurt Gijssen (NL) zu diesem Problem. Der hat in seiner Kolumne auf www.chesscafe.com  in "An arbiters Notebook" am 15.10. geantwortet:

Question:
Dear Mr. Gijssen, 
In a recent rapid game the following happened: My opponent made a move, pushed the clock and, during my thinking, suddenly shook his head, said something like "okay" and gave his hand over the board. I shook it, noted 1-0 and looked at him a little irritated, because the position was by no way lost. Now my opponent looked at the board again and declared that he wanted to play on. I told him that he had obviously resigned, but now he told me that this was not his intention. Maybe it was a draw offer he said. The arbiter who was watching the scene decided that the game had to go on, because he didn't hear "I resign". A discussion followed, which happened while my clock was running, but it didn’t change anything. As a result, I totally lost my concentration for the rest of the game. Was the decision of the arbiter correct? How does a player declare that he resigns? If my opponent should not have lost the game, what would have been the right penalty for his behaviour? 
Volker Kraft (Germany) 

Answer: 
It is true that your opponent did not declare that he resigned. There several ways to resign: (1) the opponent says: I resign; (2) by stopping both clocks and saying: I resign; (3) by laying down the King; and (4) in writing. The arbiter was correct. That he did not stop the clocks when the discussions started was a mistake.

(Übersetzung:) Antwort:
Es ist wahr, dass Ihr Gegner damit nicht erklärt hat , dass er aufgibt. Es gibt einige Wege um aufzugeben: (1) Der Gegner sagt: "Ich gebe auf", (2) indem er beide Uhren anhält und sagt: "Ich gebe auf"; (3) indem er den König umlegt; und (4) durch Aufschreiben. Der Schiedsrichter hat korrekt gehandelt. Dass er die Uhr nicht anhielt, als die Diskussion anfing, war ein Fehler.